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Flora und Vegetation

Zu den landschaftlich schönsten und pflanzenkundlich besonders interessanten Gebieten des mittleren Nahetales gehören die schützenswerten Steilhänge und Tallagen bei Schloßböckelheim.
Felsfluren, Steppenrasen und Trockengebüsche auf magmatischem Untergrund und die Reste eines Auenwaldes im Uferbereich der Nahe bestimmen die natürliche Vegetation rund um Schloßböckelheim. Ebenso prägt der Weinbau das Landschaftsbild. Das mittlere Naheland ist Teil eines auf der Leeseite des Hunsrücks gelegenen trocken - warmen Bereiches, in dem zahlreiche seltene submediterrane bzw. subkontinentale Pflanzenarten anzutreffen sind, das heißt sie haben ihren Hauptverbreitungsschwerpunkt im Mittelmeerraum oder in Steppen Südosteuropas.
Die subkontinentalen Pflanzen existieren im Nahetal an der Westgrenze, die submediterranen Arten an der Nordgrenze ihrer Verbreitungsareale. Pflanzengesellschaften mit diesen wärmeliebenden Arten besiedeln im Nahetal besonders südwestexponierte steinige und felsige Steinhänge.
Zusammen mit dem Naturschutzgebiet "Nahegau" besitzt Schloßböckelheim zwischen dem Heimberg und dem Schäferberg für mitteleuropäische Verhältnisse einzigartige, floristisch äußerst bedeutsame, seltene und wertvolle Biotope. Das Naturschutzgebiet ist Bestandteil des steilen, felsigen Südosthanges nördlich der Nahe. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist das Besondere dieses Standortes mit seinen charakteristischen Pflanzengesellschaften bekannt. Es ist das Verdienst des bekannten Kreuznacher Botanikers Dr. Ludwig Geisenheyner (1841 - 1926), Autor der 1903 erschienenen "Flora von Kreuznach und dem Nahegebiet", den einmaligen Wert dieser Landschaft frühzeitig erkannt zu haben. Um der Nachwelt diese schützenswerte Vielfalt zu erhalten, kaufte er 1905 aus dem Ertrag von Vorträgen für 300 Mark am Heimberg eine Fläche von 1,25 ha. Diese bot er am 13. April 1905 dem Kreis Kreuznach als Schutzgebiet an. Geisenheyner war mit diesem Schritt hinsichtlich des Naturschutzgedankens seiner Zeit weit voraus. Der Kreistag nahm dieses Geschenk an und verbot am 20. Mai 1908 durch eine Bekanntmachung der Ortspolizeibehörde die Entnahme von Pflanzen. Seit 1912 weist eine gusseiserne Tafel auf den "Nahegau Pflanzenschutzbezirk" hin. Das seit 1905 unter Schutz stehende Gebiet gilt als eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands und zwar schon sieben Jahre vor Ausweisung des ersten deutschen Naturschutzgebiets in der Lüneburger Heide (Wilseder Berg und Umgebung). Der Pflanzenbestand um Schloßböckelheim erfuhr in der Fachwelt weitgehende Beachtung und ist in entsprechenden umfangreichen Publikationen gewürdigt worden. Neben dem Floristen Geisenheyner unternahmen bedeutende Botaniker wie Friedrich Wilhelm Schultz (1804-1871), Carl Friedrich Adolph Bogenhard (1811-1853), Carl Christian Gmelin (1762-1837), Ferdinand Wirtgen (1848-1924), David Wiemann (1885-1948) und Alfred Blaufuss (1912-1995) Exkursionen in diese einzigartige Tier- und Pflanzenwelt.
Aufgrund ihrer für mitteleuropäische Verhältnisse besonderen Vegetation wird diese Landschaft um Heim-, Schäfer- und Felsenberg mit bestimmten Gegenden Mittelitaliens oder Dalmatiens und den dort typischen felsigen, baumarmen Steppenheiden und Macchien verglichen.